Magnesiumzugabe im Riffaquarium

Erfahrungen von Alfred Brezina, Wien

Dieser Bericht entstand vorwiegend deshalb, da ich häufig nach meinen Erfahrungen mit Magnesiumchlorid* im Riffaquarium gefragt wurde. Daher gebe ich diese Erfahrungen gerne auf diesem Wege weiter!

Zu aller erst:

Dieser Erfahrungsbericht wurde aus persönlichen Erfahrungen und Ergebnissen abgeleitet, die ich durch Magnesiumchlorid - Zugabe in meinem 1100-Liter Riffaquarium machen konnte.

Es kann allerdings nicht davon ausgegangen werden, daß die (Mengen)Angaben und die Auswirkungen, die in diesem Beitrag beschrieben werden, in jedem Becken in gleicher Art nachvollziehbar sein müssen. Deshalb wäre es hilfreich, wenn alle Aquarianer, die ebenfalls Erfahrungen mit Magnesium im Riffaquarium haben, diese in diesen Bericht einfließen lassen (Bitte um Hinweise per e-mail!). Durch diese Vorgangsweise wäre es möglich, einen umfassenden Praxisbericht zum Thema Magnesium im Riffaquarium zu verfassen und diesem im Internet für jeden Seewasserfreund zu veröffentlichen.

Nach einem Referat von Herrn Pawlovsky** (ein Biologe, er entwickelte u.a. den Kalkreaktor für ROWA) und durch Hinweise auf etlichen amerikanischen Internet-Seiten (dort scheint mir, wird auf dieses Element viel mehr Wert gelegt) wurde ich von der Wichtigkeit von Magnesium im Riffaquarium überzeugt.

So motiviert habe ich mir bei meinen Apotheker Magnesiumchlorid besorgt und nach den Empfehlungen von Herrn Pawlovsky angewendet. Folgende Dosierung und Vorgangsweise hat sich vorerst als günstig erwiesen: Ich gebe mit dem gleichen Kanister, in dem ich täglich Kalkwasser nach Wilkens (Calziumhydroxid, ebenfalls beim Apotheker erhältlich) zuführe, ca. ein Zehntel der Kalkmenge an Magnesiumchlorid zu. In der Praxis entspricht dies bei meinem 1100-Liter Becken etwa drei Eßlöffel Kalk und einem Teelöffel Magnesiumchlorid auf etwa 6-8 Liter Leitungswasser. Diese Wassermenge benötige ich ohnehin für den Wasserausgleich, der durch die tägliche Verdunstung nachgefüllt werden muß. Es entsteht daher, sieht man auf die Zugabe von Magnesiumchlorid in den Kanister ab, kein zusätzlicher Arbeitsaufwand.

Die erste große Überraschung erlebte ich, als ich durch die Mg–Zugabe in meinem Becken den Calzium-Wert von 380 mg/l (diesen Wert konnte ich vorher nur durch Zugabe von tägl. 3 Meßlöffel TropicMarin – Biocalzium erreichen) auf fast 500 mg/l steigern konnte! Zu dieser Zeit war ich gerade im Begriff, einen Kalkreaktor zu bauen, um stabilere und höhere Calziumwerte zu bekommen. Durch die Mg - Zugabe wurde dieser Wert so sehr erhöht, daß mir aus heutiger Sicht ein Kalkreaktor als überflüssig erscheint.

Dieser hohe Calzium-Wert scheint daher zu resultieren, da sich das Calziumhydroxid durch die Mg-Zugabe wesentlich besser löst und sich das Ca in die für unsere Steinkorallen einzig verwertbare Form des Aragonit umwandelt.

Nach etwa zwei Wochen konnte ich unter Zuhilfenahme eines Mg - Tests feststellen, daß der Mg-Wert die Optimalkonzentration von knapp unter 1500 mg/l erreicht hat. Seither gebe ich Mg nur jeden dritten Tag in der erwähnten Menge zu. In den verbleibenden Tagen wird nur Kalkwasser zugeführt. Es ist leider noch zu früh, um sicher sein zu können, daß dies die richtige Menge der Mg - Zugabe ist, um den optimalen Wert zu halten. Hier muß aber sowieso jeder für sein Becken die Ideallösung finden. Ein Mg - Test ist allerdings unumgänglich!

Die zweite Überraschung war, daß schon nach zwei bis drei Wochen deutlich zu erkennen war, daß vermehrt Kalkalgen zu wachsen begannen. Meine Gorgonien (m. Zooxanthellen) bekamen einen unglaublichen Wachstumsschub. Sogar bei meinen ohnehin schnellwachsenden Steinkorallen (Acroporas, Pocilloporas, Seriatoporas, .......) war eine Steigerung des Wachstums deutlich zu erkennen. Schwämme erschienen in unbekannter Vielfalt und ich hatte den Eindruck, daß sich mein Becken zum Besseren entwickelt hat.

Natürlich hört sich das alles wunderbar an, trotzdem muß man folgendes bedenken:

Bis heute (02/2000) sind erst knapp vier Monate vergangen, seit ich Erfahrungen mit MgCl sammeln konnte.

Zwar haben auch befreundete Aquarianer in Ihren Becken ähnlich vielversprechende Ergebnisse verfolgen können, aber über Langzeitstudien verfügen wir leider alle noch nicht. Dieser Hinweis soll Sie nicht verunsichern, sondern nur zur Aufmerksamkeit führen, um alle Veränderungen nach der Mg-Zugabe aufmerksam zu verfolgen!

Viel Glück bei Ihren persönlichen Versuchen und bitte um die Zusendung von Ihren Erfahrungen!!

Alfred Brezina, im Februar 2000

E-Mail an: brezina@teleweb.at

 

*Magnesiumchlorid sieht optisch aus wie Meersalz und löst sich vollständig im Wasser!

** Siehe auch den Artikel von Pawlovsky im DATZ 12/99